#2 Mein Wahlkampftagebuch

Wo zur Hölle leben wir?

von Fabian Degen (4. März 2022)

 

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht so wirklich wie ich hier beginnen soll. Ich nutze dieses Format ja, um meine Gedanken zu sortieren und einen Einblick in meinen Alltag zu geben. Nun könnten hier stehen, dass ich mich mit einer Grafikerin getroffen habe, um ein Logo für den Wahlkampf zu entwickeln, ebenso wie einen ersten Flyer. Ich habe auch ein wenig Zeit darauf verwendet mich in unser CMS einzuarbeiten und einige Aktualisierungen auf unserer Homepage vorzunehmen und die Seiten für den Wahlkampf vorzubereiten. Aber all dies erscheint so falsch und unbedeutend im Angesicht des Krieges in der Ukraine. Ich gestehe, dass ich die Situation komplett falsch eingeschätzt habe. Bis vor wenigen Tagen dachte ich, dass ein Krieg in Europa absolut ausgeschlossen ist. Irgendwie sind wir vermutlich alle davon ausgegangen, dass die Spannungen im letzten Moment am Verhandlungstisch zu lösen sind. Nun sehen wir jeden Tag neue schreckliche Bilder und hören Meldungen, die wir kaum begreifen können.

Ich weiß nicht, ob es erlaubt ist in diesem Zusammenhang überhaupt etwas positives zu finden… ABER, eine Sache gibt mir Zuversicht. Die beispiellose Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft, die momentan allerorten zu spüren ist. Auch die Tatsache, dass EU und Nato in einem Maße zusammenstehen und Handlungsfähigkeit demonstrieren, wie man es zuletzt kaum erwarten durfte, vermittelt ein wenig Hoffnung in schwierigen Zeiten.

Trotzdem stellen sich viele Fragen für die Zukunft. Niemand kann sagen was die nächsten Tage mit sich bringen. Heute Morgen sehen wir in den Nachrichten, dass in der Nacht ein Atomkraftwerk beschossen wurde. Wir können nur hoffen und beten, dass uns eine noch viel größere Katastrophe erspart bleibt. Aber wir spüren trotzdem bereits heute die Auswirkungen. Ich hoffe sehr, dass wir mit den Flüchtlingen weiterhin so fantastisch umgehen wie es momentan zu sehen ist. Wir alle sind gefordert weiter zusammenzustehen, um zu verhindern, dass sich teils negative Ereignisse aus 2015 wiederholen.

Als Gesellschaft werden wir dabei vor eine Prüfung gestellt. Die Corona-Pandemie hat bereits zu einer sehr angespannten Situation in unserem Land geführt, nun kommen steigende Rohstoffpreise dazu, die uns alle treffen werden. Wir diskutieren einerseits über den Umstieg auf erneuerbare Energien und andererseits benötigen wir eine Versorgungssicherheit. Plötzlich werden Stimmen laut, die eine längere Laufzeit für Atomkraft- und Kohlekraftwerke fordern. Plötzlich stehen 100 Mrd. € für die Rüstung zur Verfügung, während andere dieses Geld lieber für Klimaschutz ausgeben würden. Ich hoffe sehr, dass wir die nun anstehenden Diskussionen mit dem notwendigen Weitblick führen werden und dabei einen respektvollen Umgang als Grundlage des Diskurses wahren.

Wir lesen uns…; )



zurück